Die Kommunikation macht sich auf und schaut mutig über die eigenen Flure hinaus! Speziell in diesen Zeiten der Digitalisierung sind Kommunikation und Zusammenarbeit kaum Grenzen gesetzt. Und trotzdem ist in Unternehmen noch immer ein stark ausgeprägtes Silodenken zu beobachten. Jeder arbeitet für sich und wichtige Informationen werden nicht hinreichend geteilt. Eine Form des Zusammenarbeitens bietet dieser Entwicklung die Stirn: Working Out Loud (WOL). Doch was genau versteckt sich hinter dieser Bezeichnung? Was bedeutet es laut zu arbeiten? Und wie bringt diese Methode ganze Unternehmen nach vorne? 

Working Out Loud – dem Begriff nach scheinbar eine Methode, die sich zum Ziel setzt, den Bürofrieden nachhaltig zu stören. Weit gefehlt! Es geht nicht darum, sich und seine Arbeitsergebnisse lautstark zu präsentieren und sich seine Kollegen im schlimmsten Fall zum Feind zu machen. Im Kern will WOL hingegen Formen von Zusammenarbeit fördern, bei denen Menschen sich selbstlos wechselseitig unterstützen und in ihrem Arbeitsalltag bereichern. Es geht darum, dass Mitarbeiter bewusst Wissen und Erfahrungen – positive wie negative – untereinander teilen. Und das ohne automatisch auf eine Gegenleistung zu hoffen.
Der Mehrwert für Unternehmen liegt dabei in erster Linie darin, dass Mitarbeiter nicht länger ihre eigenen Belange über die des Unternehmens stellen. Denn WOL erzieht Einzelkämpfer zur Teamarbeit. Was dem Einzelnen nutzt, kommt der Allgemeinheit zugute. Was mühselig allein erarbeitet werden könnte, wird durch die Kraft der Masse zum Kinderspiel. Das spart Zeit und Geld. Damit nicht genug: Durch WOL machen Mitarbeiter nicht nur ihre Kompetenzen sichtbar, sondern auch sich selbst. Hierdurch entsteht eine Kultur der Offenheit, die Wertschätzung und Gemeinschaftssinn aktiv fördert – zielgerichtet und ohne fassbare Grenzen. Die T-Systems Multimedia Solutions sieht das Potenzial dieser Methode und ermöglicht es daher ihren Mitarbeitern, eigene Circle zu gründen und Netzwerke aufzubauen. Einige Mitarbeiter haben schon ihre ersten Schritte in Richtung lautes Arbeiten unternommen.


„WOL ist eine tolle Möglichkeit, sich zu vernetzen und dabei eigenen Anliegen und Zielen näher zu kommen. Implizit werden wertschätzende Kommunikation sowie Offenheit und Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber geschult. Ich finde WOL für meinen Arbeitsalltag sehr bereichernd und manchmal auch herausfordernd. Ich glaube, dass diese Methodik in der Fläche angewendet einer Organisation helfen kann, ein agiles Mindset zu adaptieren.“

Maren Denecke, Consulting bei T-Systems Multimedia Solutions

Ein kurzer Blick zurück

Bryce Williams, seines Zeichens IT-Berater, sprach 2010 in einem Blogbeitrag das erste Mal davon, die eigene Arbeit einsichtig zu machen und Wissen mit anderen zu teilen. Der Begriff WOL war geboren. Jedoch erst fünf Jahre später, mit der Veröffentlichung von „Working Out Loud: For a better career and life“ erhob ein andrer, der Amerikaner John Stepper, Williams Idee zur Methode.

Stepper blickte zu jener Zeit bereits auf ein bewegtes Berufsleben zurück. 2008 bangte er um seine Anstellung und suchte nach Wegen, um seine Arbeit im Unternehmen sichtbar zu machen und mehr Selbstbestimmung zu erreichen. Er fand sie in WOL. Mehr noch, er vernetzte sich mit Kollegen und entwickelte ein Trainingsprogramm, das jedem Menschen die gleiche Entwicklung ermöglichen sollte. Festgehalten hat er es im sogenannten Circle Guide, einer ausführlichen Anleitung, die neben Deutsch und Englisch mittlerweile auch in Französisch, Mandarin, Holländisch und weiteren Sprachen verfügbar ist.


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Aber was ist WOL nun genau?

Es finden sich drei bis fünf Personen zu einem Circle zusammen, beispielsweise über das firmenweite (Social) Intranet. Dabei ist es unerheblich, ob sie an ähnlichen Projekten arbeiten. Ganz im Gegenteil: Je bunter der Kreis ist, desto besser. Für ein möglichst umfangreiches Netzwerk und viele verschiedene Sichtweisen, sollten die Circles sogar tunlichst divers besetzt sein. Mitglieder aus verschiedenen Abteilungen mit verschiedenen Hintergründen und Projekten, vielleicht sogar aus verschiedenen Konzernen? Na klar! Das Motto lautet: Raus aus den Silos! In konzernübergreifenden Circles sollten die Mitglieder sich allerdings bezüglich Compliance und Schweigepflicht an ihre vertraglichen Regelungen halten.

Ein Circle trifft sich drei Monate lang einmal pro Woche für eine Stunde – persönlich oder virtuell. Alle im Circle definieren für sich ein persönliches, möglichst bedeutsames Ziel, das in zwölf Wochen auch erreicht werden kann. Zu hohe Ziele lassen keinen Raum mehr für Motivation oder Lernbereitschaft. Arbeitsgrundlage bildet der Circle Guide, der kostenlos auf der WOL-Website zu finden ist. Darin werden für jede Woche Übungen angeboten. Die fünf WOL-Prinzipien sollen dadurch so verinnerlicht werden, dass sie auch in der Zukunft beibehalten werden:

Die fünf Prinzipien auf den Punkt gebracht:

  1. Beziehungen (Relationships): Baue nachhaltige Beziehungen auf, indem Du selbst etwas Sinnvolles beiträgst.
  2. Großzügigkeit (Generosity): Teile Dein Wissen, um etwas Konstruktives beizutragen und ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
  3. Sichtbare Arbeit (Visible Work): Gestalte Deine eigene Arbeit sichtbar, um einen wertvollen Beitrag zum Netzwerk zu leisten und nicht zwecks Selbstdarstellung.
  4. Zielgerichtetes Entdecken (Purposeful Discovery): Welche Ressourcen benötigst Du und was kannst Du beitragen, um dein Ziel zu erreichen und dabei etwas zu lernen?
  5. Wachstumsorientiertes Denken (Growth Mindset): Sei, ganz im WOL-Stil, offen für neue Möglichkeiten, die Dich Deinem Ziel näherbringen

Raum für Vertrauen schaffen

Voneinander zu profitieren bedeutet, sich gegenseitig Wissen zur Verfügung zu stellen. Wichtig ist dabei, der Qualität statt der Quantität den Vorzug zu geben. Der Circle hilft dabei, eine zu hohe Informationsflut zu vermeiden.

Durch die Gruppendynamik lernen Mitarbeiter wieder, sich gemeinsam auf Ziele zu fokussieren und an einem Strang zu ziehen. Jeder ist aktiv bei der Sache und zehrt im Idealfall noch lange von dem entstandenen Netzwerk. Neben all den Vorteilen ist eines jedoch nicht ganz so leicht: Zeit zu finden. Eine Stunde in der Woche klingt nicht nach viel, muss aber trotzdem hart vor sich selbst, den Kollegen und auch dem Chef verteidigt werden. Und da ist die Vorbereitungszeit noch nicht berücksichtigt. WOL soll helfen, die eigene Arbeitsweise und -einstellung weiterzuentwickeln. Das kann nicht nebenbei erledigt werden.


„Working out loud ist für mich ein Wachstumskonzept – für Dich und ein Thema, das Dir am Herzen liegt. Ob Business oder nicht, spielt keine Rolle.“

Jürgen Mirbach, Consulting bei T-Systems Multimedia Solutions

Durch die Teilnehmer eines Circles wird ein vertrauter Raum geschaffen, in dem Hemmungen abgebaut, eine feedbackfreundliche, offene Kommunikation gefördert und Kompetenzen gestärkt werden. Alle Mitglieder innerhalb eines Circles haben, abgesehen von ihren individuellen Vorsätzen, das gleiche Ziel vor Augen: gemeinsam individuell zu wachsen.

Trotzdem kann WOL keine Wunder vollbringen. Wem die Gruppendynamik nicht liegt, weil er sich lieber alleine durchschlägt, der wird sich durch WOL nicht gänzlich verändern können. Der Wille zur Veränderung muss an erster Stelle stehen. Auch wer gerne die Chefrolle innehat, dürfte in einem Circle ein Problem bekommen, denn hier arbeiten alle auf Augenhöhe. Erfahrenere Mitarbeiter, die schon länger „laut“ arbeiten, können die Rolle des Moderators einnehmen. Damit leiten sie die Gruppe jedoch nicht, sondern unterstützen sie und geben an manchen Stellen Anreize.


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Die Probe auf’s Exempel

Jacqueline Marks, Mitarbeiterin im Marketing der T-Systems Multimedia Solutions, hat die Erfahrung eines Working Out Loud-Circles gemacht. Sie hat die Methode auf einer Konferenz kennengelernt und sie kurz darauf – mit Zustimmung ihrer Führungskraft – im Unternehmen erprobt. Als die Teilnehmer ihres Circles feststanden, hieß es zwei Hürden zu überwinden: Termine für das wöchentliche Treffen zu finden und ein geeignetes Ziel zu definieren. Letzteres erwies sich sogar als ziemlich komplex. Denn das Ziel sollte zwar unternehmerisch sein, aber trotzdem nicht der persönlichen Entwicklung im Wege stehen. Gewöhnungsbedürftig auch: Die WOL-Methode verspricht keine Blitz-Entwicklung. Sie zeichnet sich vor allem durch kleine Schritte aus. Bald schon merkt Jacqueline, dass WOL mehr Aufwand erfordert, als nur das wöchentliche Treffen, da man laufend an sich arbeitet und die eigene Arbeitsweise weiterentwickelt. „Hat man in einer Woche nichts geschafft, hat man den anderen gegenüber ein schlechtes Gewissen. Obwohl der meiste Druck von einem selbst kommt und nie von den anderen.“ Im Laufe der zwölf Wochen musste Jacqueline ihr Ziel anpassen, da sich die Rahmenbedingungen für sie verändert hatten. Aber sie hat aus der Zeit mitgenommen, dass es nicht allein darum geht. „Es ist wichtig, dass man Empfehlungen und Erfahrungen weitergibt und ein personalisiertes Netzwerk entsteht. Man erhält Empfehlungen, die genau auf einen selbst zugeschnitten sind, weil man sich in der Gruppe so gut kennenlernt.“ Außerdem war es für Jacqueline wertvoll, Kollegen näher kennenzulernen, mit denen sie fachlich vorher noch nie zusammengetroffen ist.

Auch Romain Schmechta, Projektmanager im Personalbereich der T-Systems Multimedia Solutions, ist von WOL als Methode überzeugt. Leider musste er die Erfahrung machen, dass dies allein nicht automatisch zum Erfolg führt. Zwei Circle sah er zerbrechen, da in der Gruppe sein Engagement nicht uneingeschränkt geteilt wurde. „Über WOL habe ich gelernt, dass alle mitmachen müssen, weil man sonst ganz schnell wieder alleine dasteht,“ erzählt er freimütig. Das Hauptproblem liege ihm zufolge dabei nicht an mangelnder Überzeugung. Vielmehr sei es eine Frage der Priorisierung von WOL im Arbeitsalltag. „Die Bereitschaft zum Mitmachen bei ‚freiwilligen‘ Sachen sinkt, je größer der Berg Arbeit ist. Ich hatte das Pech in zwei Gruppen zu sein, wo genau das passiert ist, sodass da am Ende immer nur noch zwei Leute saßen.“ Würde er WOL weiterempfehlen? Jederzeit!


„Man kommt sich auf einer Ebene sehr nahe. Wenn man selber etwas gibt, bekommt man auch etwas zurück – das kann dann auch persönlich werden.“

Jacqueline Marks, Marketing bei T-Systems Multimedia Solutions

Mag es auch unterschiedliche Meinungen zu WOL geben, eine Beobachtung scheint unwiderlegbar: Menschen, die die Erfahrung einer oder mehrerer Working Out Loud-Lerngruppe(n) gemacht haben, arbeiten organisierter und vernetzter, was sie selbst sichtbarer und für das Unternehmen effizienter macht. In einer Arbeitswelt, die sich durch die Digitalisierung im Geiste des New Work neuerfindet, sind solche Qualitäten Gold wert.


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