Tobias Jung, Product Owner im Staking Bereich

Im Folgenden wird erklärt was Oracles sind, wie diese innerhalb von Blockchains funktionieren, was es mit dem „Oracle Problem“ auf sich hat und wie dieses unter anderem durch unser Blockchain Solutions Center angegangen wird.

Was sind Oracles?

Oracles sind Brücken zwischen der Blockchain und der realen Welt.  Sie fungieren als On-Chain-Datenanbieter und können auf diese Weise Daten in die Blockchain einfügen, diese Daten können dann durch Smart Contracts verarbeitet werden. Oracles bezeichnet man deswegen auch als Blockchain-Middleware. Diese Informationen können aus den unterschiedlichsten Daten bestehen – von Wetterdaten über Aktienkurse und Rohölpreise bis hin zu Wahlergebnissen.

Wie funktionieren Oracles in der Blockchain?

Die Blockchain-Technologie legt den Grundstein für Anwendungen, bei denen zwei Parteien über das Internet Transaktionen durchführen können, ohne dass Sie auf Dritte wie Banken als vertrauensschaffende Basis angewiesen sind. Auf diesen dezentralen Anwendungen werden Smart Contracts erstellt. Smart Contracts reagieren auf bestimmte, „wenn-dann“ Bedingungen und haben keinen Zugang auf Informationen aus der realen Welt. An dieser Stelle kommt die Blockchain-Middleware ins Spiel. Oracles stellen der Blockchain externe Daten zur Verfügung, sodass Smart Contracts darauf zugreifen und mit Hilfe der Daten zum Beispiel Transaktionen durchführen können. Die Daten werden allerdings nicht auf der Blockchain gespeichert.

Das „Oracle Problem“

Da Blockchains nicht direkt auf Off-Chain-Daten (reale Daten) zugreifen und sich nicht nur auf eine einzige Datenquelle verlassen können, ergibt sich hier ein Problem. Die Sicherheit und Dezentralität der Daten würde dadurch eingeschränkt werden. Die Konsequenz wäre die Ungültigkeit des Smart Contracts – dieses Problem ist bekannt als das „Oracle Problem“.
Wenn Daten von einer einzigen API, einem Knoten oder einer Quelle importiert werden müssen, wird der grundlegende Zweck der Verwendung von Blockchains obsolet. Denn dieser ist in erster Linie die Dezentralität, durch welche die Daten auch ohne Zweigstelle “trustless” sind.

Die Lösung des Oracle-Problems ist für die Mehrheit der Smart Contract Anwendungsfälle relevant. Einige dieser sind Anwendungen im dezentralen Finanzwesen (DeFi), welche auf verlässliche Real-Welt Daten zugreifen müssen.

Die Kombination von Oracles und Smart Contracts ist für große Branchen relevant und profitabel, beispielsweise für die Einspeisung von Asset-Preisen im Finanzsektor, für Wetterinformationen im Versicherungssektor, für IoT-Sensoren in Lieferketten oder auch ID-Verifizierung für Behörden.

Die Lösung des Oracle-Problems kann die Verwendung von dezentralen Oracles sein. Diese verwenden Daten aus mehreren Datenquellen – sollte also eine Datenquelle gehackt werden oder fehlschlagen, wird die Funktionsweise des Smart Contracts dadurch nicht beeinträchtigt.

Dezentrale Oracles

Ein dezentrales Oracle oder dezentrales Oracle-Netzwerk kann als Gruppe unabhängiger Oracles verstanden werden, welche Daten für eine Blockchain bereitstellen.  Um das Oracle Problem tatsächlich zu lösen, und Datenmanipulation, Ungenauigkeiten und Ausfallzeiten zu vermeiden, sind dezentrale Oracle erforderlich. Ein dezentrales Oracle-Netzwerk (DON) kombiniert mehrere unabhängige Oracle-Knotenbetreiber und mehrere zuverlässige Datenquellen, um so eine End-to-End-Dezentralisierung zu erreichen.

Lösungen für Celo und Chainlink

Für die EVM-kompatible und damit Ethereum-unabhängige Proof-of-Stake Blockchain Celo plant die Deutsche Telekom mittlerweile das Bereitstellen von dezentralen Oracles. Erst im letzten Jahr wurde das Investment seitens der Deutschen Telekom in Celo verkündet, ergänzt durch das Bereitstellen von Validatoren und somit der Absicherung des Ökosystems. Der nächste Schritt für unser Blockchain Solutions Center ist nun die Bereitstellung von Oracles, um Celo mit sicheren Daten und Informationen zu versorgen und somit resilienter zu machen. Celo setzt auf mobile Zahlungsdienstleistungen, gekoppelt an die eigenen Stablecoins cUSD, cEURO und cREAL. Vor allem hierbei werden Oracles eine wichtige Rolle spielen, um die Bewertung der Stablecoins abzusichern.

Ein weiteres Beispiel für eine dezentrale Lösung ist Chainlink. Das Netzwerk aggregiert viele verschiedene unabhängige Informationsquellen, um die Daten der realen Welt mit der Blockchain zu verbinden. Mittlerweile existiert bereits ein riesiger Marktplatz aus Anwendungen, welche die Chainlink-Technologie nutzen, um ein Netzwerk aus unabhängigen Informationsquellen aufzubauen, aus welchen die Daten abgerufen werden können. Auf diese Weise können Smart Contracts ihr volles Potenzial bereitstellen.

Unser Blockchain Solutions Center agiert im Chainlink-Netzwerk als Node Operator. Durch den Betrieb eines Chainlink-Knotens stellen wir den Nutzern des Chainlink-Netzwerks und dezentralen Anwendungen (dApps) auf Ethereum zuverlässige reale Daten zur Verfügung und unterstützen damit die Vision öffentlicher Blockchains als Grundlage für zahlreiche Anwendungsfälle wie Decentralized Finance (DeFi).

>Weitere Informationen für unsere Geschäftskunden: Validation as a Service


Tobias Jung, Product Owner im Staking Bereich

Tobias Jung ist Product Owner im Staking Bereich, im Blockchain Solution Center der T-Systems MMS, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Dort baut er Infrastruktur für öffentliche Blockchain-Netzwerke auf. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Tech-Software-Startups. Tobias schloss sein Studium an der Universität Lund mit einem MSC in Betriebswirtschaftslehre ab. Er engagiert sich bereits seit Jahren im Kryptoraum.