Sonik Kaila, Startup-Trainee | Deutsche Telekom

Tobias Jung, Product Owner Staking| T-Systems MMS

Aktuell verwendet Ethereum noch immer den Proof-of-Work-Konsens, auf welchem auch Bitcoin aufbaut. Die Ethereum-Foundation hat sich jedoch entschieden, für ihre öffentliche Blockchain in Zukunft den umweltfreundlicheren Proof-of-Stake-Konsens zu verwenden. Diese Umstellung von PoW auf PoS ist als „The Merge“ bekannt. Die Ethereum-Community arbeitet bereits seit 2015 am Übergang zu Proof of Stake und wird diesen voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 durchführen.

Der Merge wird durch eine Reihe von Upgrades umgesetzt, welche die Ethereum-Blockchain theoretisch schneller und günstiger machen sollen. Außerdem wird die Blockchain dadurch wesentlich umweltfreundlicher. Zu Spitzenzeiten leidet Ethereum unter langsamen Transaktionszeiten und hohen Kosten – ein einfacher Swap auf Uniswap für Token im Wert von 1 US-Dollar kostete in dieser Zeit über 50 US-Dollar an reinen Transaktionsgebühren. An dieser Stelle sei zu beachten, dass der Merge selbst die Transaktionskosten nicht senken wird, sondern nur die Grundlage für Upgrades schafft, welche auf Dauer zur Kostenreduktion führen sollen.

Als Vorstufe vor der Durchführung des Merges führte die Ethereum-Foundation die Beacon-Chain ein. Diese verwendet bereits den Proof-of-Stake Konsensus Mechanismus, es wird also sogenanntes Staking verwendet, um das Netzwerk zu sichern.  Die Beacon-Chain wurde im Dezember 2020 gelaunched und verzeichnet seit ihrer Einführung Erfolg.  Mittlerweile arbeiten über 400.000 Validatoren an der Sicherung des Netzwerkes. Durch den Merge wird die Mainnet-Version von Ethereum ein Bestandteil der Beacon-Chain. Mit dem Abschluss des Merges wird Ethereum vollständig auf PoS umgestellt sein wodurch sich der Energieverbrauch der Ethereum Blockchain voraussichtlich um ca. 99,95% reduziert wird.    

Zu beachten ist, dass durch die Zusammenführung der beiden Chains nicht direkt auf die gestakten ETH-Token zugegriffen werden kann. Deshalb schlägt die Ethereum-Foundation, ein Post-Merge-„Cleanup“ -Upgrade vor, durch welches die Auszahlungen aktiviert werden können.

Was kommt nach dem Merge?

Vitalik Buterin, Ethereum-Mitbegründer, stellt in seinem Blog „Endgame“ eine Roadmap vor, wie man eine  Blockchain schnell,  sicher und dezentral machen kann – das sogenannte Blockchain-Trilemma. Diese Roadmap dient als Anhaltspunkt dafür, wie sich Ethereum weiterentwickeln soll.  Die Roadmap unterteilt er dabei in fünf Etappen, welche parallel verlaufen:

  • The Merge
  • The Surge
  • The Verge
  • The Purge
  • The Splurge

Zu Beginn der Roadmap steht der Merge und der damit verbundene vollständige Übergang von Ethereum zu Proof-of-Stake. Die größten Vorteile für Ethereum werden deflationäre ETH-Preise, die Reduktion des CO2-Fußabdruckes und die Grundlage für zukünftige Skalierbarkeitsverbesserungen.

Der Merge und die folgenden Upgrades legen den Grundstein für massive Skalierbarkeit, indem sie Layer-2-Lösungen ermöglichen, niedrige Transaktionsgebühren anzubieten und gleichzeitig die Sicherheit von Ethereum zu nutzen. Layer-2-Lösungen übernehmen die massiven Rechenaufgaben aus dem Ethereum-Mainnet und führen sie mit höherer Geschwindigkeit für einen Bruchteil der aktuellen Kosten aus, während sie die Sicherheit von Ethereum nutzen.

Mit dem Wachstum des Ethereum-Netzwerkes, wächst auch die Datenbank der Blockchain exponentiell. Dies kann die Skalierung einschränken, da die Knoten alle Blockchain-Daten speichern müssen. Die Phasen „The Verge“ und „The Purge“ der Roadmap zielen darauf ab, genau dieses Problem zu beheben, indem die Art und Weise, wie die Blockchain mit der Datenbank umgeht und sie speichert, technisch verändert wird. In Zukunft müssen nicht mehr alle Knoten alle historischen Blöcke dauerhaft speichern.  Stattdessen speichern Knoten keinen Verlauf mehr, der älter als ein Jahr ist. Dies bedeutet, dass die Hardwareanforderungen für Knoten sinken und die Bandbreite des Netzwerks zunimmt.  Durch das Sinken der Hardwareanforderungen wird auch die kostengünstige Teilnahme für mehr Menschen ermöglicht. Das trägt zur zusätzlichen Dezentralisierung und Steigerung der Sicherheit des Netzwerkes bei.

Schließlich ist der Ethereum-Gründer nach all den technischen Upgrades der Ansicht, dass das Netzwerk bereit sein wird, um Mainstream-Anwendungen zu handhaben, indem es die Verwendung von Ethereum vereinfacht und es für einen durchschnittlichen Benutzer zugänglicher macht – als „The Splurge“ bezeichnet.

Diese Erläuterungen stellen nicht die offizielle Roadmap der Ethereum-Foundation dar, sondern eine Vision von Vitalik Buterin.  Dennoch hilft uns seine Vision zu verstehen, welche Hindernisse vor uns liegen und welche Technologien öffentliche Blockchains endlich für die öffentliche Einführung bereit machen können. Und mit dem Merge, der für dieses Jahr geplant ist, werden alle Augen auf Ethereum gerichtet sein und der Erfolg davon wird den Weg bestimmen, der vor Krypto im Allgemeinen liegt.



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Sonik Kaila ist Startup-Trainee bei der Deutschen Telekom und unterstützt das Blockchain Solutions Center der T-Systems MMS als Business Analyst.


Tobias Jung, Bild

Tobias Jung ist Product Owner im Staking Bereich, im Blockchain Solutions Center der T-Systems MMS, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Dort baut er Infrastruktur für öffentliche Blockchain-Netzwerke auf. Zuvor arbeitete er in verschiedenen Tech-Software-Startups. Tobias schloss sein Studium an der Universität Lund mit einem MSC in Betriebswirtschaftslehre ab. Er engagiert sich bereits seit Jahren im Kryptoraum.