E-Sports füllen mittlerweile ganze Stadien. In Südkorea, was als Mutterland des E-Sports gilt, werden professionelle Gamer mitunter gefeiert wie hier zu Lande die Fußballnationalmannschaft. Ich verfolge die kompetitive Gaming-Szene sehr aktiv, insbesondere im Herbst im Hinblick auf ein ganz bestimmtes Event. Mein Name ist Benjamin Pfeil, ich bin als Werkstudent bei der T-Systems Multimedia Solutions im Online-Marketing tätig. Allerdings soll es in diesem Artikel nicht wie gewohnt um eines der knallharten Business-Themen gehen. Stattdessen gibt es von mir einen kleinen Einblick in einen Kosmos, der monatlich Millionen Menschen begeistert. Die Rede ist von einem Spiel, das ich zwar seit drei Jahren nicht mehr aktiv spiele, aber immer noch total begeistert verfolge: League of Legends.

Alle Jahre wieder: Worlds-Wahnsinn im Herbst

Jedes Jahr aufs Neue findet zwischen Anfang Oktober und Mitte November das größte E-Sport-Event des Jahres, die League of Legends Weltmeisterschaft, statt. League of Legends (LoL) ist das meistgespielte Spiel der Welt: Konkrete Zahlen gibt das Unternehmen Riot Games zwar nicht heraus, allerdings hat es bestätigt, dass LoL mehr als 100 Millionen monatlich aktive Spieler hat. Um diese Zahl in eine Relation zu setzen: alle Spiele von Activision zusammen, von Call of Duty bis hin zu Destiny, haben gerade einmal 55 Millionen monatlich aktive Spieler.
Was ist das für ein Spiel, das monatlich so viele Spieler bindet und Zehntausende in die Stadien zieht? Was ist das für ein Spiel, das letztes Jahr zur Weltmeisterschaft 44 Millionen gleichzeitige Viewer im Peak und nach Angaben des Webportals „Esports Charts“ sogar 205 Millionen Unique Viewer hatte?
League of Legends ist ein sogenanntes MOBA (Multiplayer Online Battle Arena), ein Arena-Kampf in dem zwei Teams mit jeweils fünf Spielern gegeneinander antreten. Gespielt wird immer die gleiche Karte. Ziel ist es, die eigene Basis zu verteidigen und die des gegnerischen Teams zu zerstören. Jeder Spieler wählt vor dem Spiel einen von 140 individuellen Charakteren aus, die über eigene Fähigkeiten verfügen und sich unterschiedlich spielen. Der wichtigste Bestandteil des Spiels ist es, so viel Gold wie möglich von der Karte abzugreifen um sich Gegenstände zu kaufen, die den eigenen Charakter stärker machen.

Die Karte von League of Legends: „Summoners Rift“.
Jeder der fünf Spieler spielt eine bestimmte Position: Toplane (obere Spur), Midlane (mittlere Spur), Jungle (neutrales Gebiet zwischen den Spuren), Botlane (untere Spur) oder Support (zu Beginn auf der unteren Spur als Unterstützung für den Botlaner)

Anders als bei anderen Rollenspielen starten die Spieler nach jeder Runde von neuem – ein Goldvorteil, der in einer Runde erkämpft wurde, spielt in der nächsten Runde keine Rolle mehr. Eine Runde dauert durchschnittlich zwischen 30 bis 40 Minuten.

Die Teams bei der League of Legends Weltmeisterschaft (oft einfach nur als „Worlds“ bezeichnet) spielen in der Gruppenphase jeweils zwei Runden abwechselnd gegen jedes andere Team in der Gruppe, bis sich zwei Teams jeder Gruppe für die Knockout-Phase qualifiziert haben. Im Viertel-/Halbfinale und im Finale spielen die Teams ein Best-of-Five: das Team welches zuerst drei Runden für sich entscheidet, gewinnt. Gespielt wird um ein Preisgeld von 2,25 Millionen US-Dollar. Das Finale findet dieses Jahr am 10. November in der AccorHotels Arena in Paris statt.
Anders als bei konventionellen Weltmeisterschaften treten keine Nationalmannschaften gegeneinander an, sondern internationale Teams, die zu bestimmten Regionen gehören. Zu Beginn des Turnieres waren es noch 13 verschiedene Regionen, übrig geblieben sind von denen nur noch Europa und China. Qualifiziert haben sich die Teams über die Turniere in ihrer Region. In Europa ist das zum Beispiel die LEC (League of Legends European Championship), quasi die Championsleague für Europa.


Liga der Legenden

Mit Ausnahme der ersten Worlds in 2011 und der letzten in 2018 konnten koreanische Teams alle Weltmeisterschaftstitel für sich entscheiden. Korea ist das Mutterland des Esports und deren LoL-Teams galten lange Zeit als unbesiegbar. Allen voran der Titan der South Korean Telecom: SK Telecom T1 (SKT). SKT alleine hat drei der bisher acht vergebenen Weltmeisterschaftstitel gewonnen. Der Star des Teams ist Lee „Faker“ Sang-hyeok, der von vielen als der beste Spieler aller Zeiten betitelt wird. Bis 2016 hat Faker alle drei Weltmeisterschaften für sein Team gewinnen können, an denen er teilgenommen hat. Dieses Jahr wählte Forbes Faker auf die Liste der Top 30 wichtigsten Persönlichkeiten unter 30 Jahren in Asien. Doch der anhaltende Ruf als „unkillable demon king“ nahm im Worlds Finale 2017 ein Ende. SKT wurde von den Rivalen der eigenen Region, dem Team Samsung Galaxy, entthront.
Zwar sah Korea als Region 2017 mit zwei Teams im Finale noch unbezwingbar aus, allerdings hat nicht nur die SKT-Dynastie 2017 geendet, sondern ebenso die Vorherrschaft der koreanischen Teams über alle anderen Regionen.

SKT fällt und die Vorherrschaft der Koreaner endet. Das erste Mal verliert SKT eine Weltmeisterschaft für die sich das Team qualifiziert hat. Auch dieses Jahr hat sich wieder gezeigt, dass die koreanischen Teams nicht unbesiegbar sind. Von den drei koreanischen Teams die sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben, ist nur noch SKT übrig. Kann der Titan der SKT den vierten Weltmeisterschaftstitel für sich beanspruchen und Korea wieder auf Platz 1 setzen?

Für die Weltmeisterschaft 2018 hat SKT sich, nach einer durchwachsenen Saison in Korea 2018, nicht einmal qualifizieren können. Auch die drei koreanischen Teams, die sich für die Worlds 2018 qualifizierten, performten nicht wie gewohnt. Keines von ihnen schaffte es ins Halbfinale. Für Korea als Mutterland des Esports ist das ein harter Schlag. Im Finale traten Invictus Gaming (China) gegen Fnatic (Europa) an. Fnatic war bereits 2011 Weltmeister, unterlag Invictus Gaming aber deutlich mit 0 zu 3 und das chinesische Team konnte den ersten Titel für China beanspruchen. Die Dominanz der östlichen Teams über die westlichen setzte sich zwar fort, aber die Lücke zwischen Ost und West schließt sich allmählich. Die Legende Faker war mit SK Telecom T1 zurück im Rampenlicht bei den Worlds 2019 und dominierte den Großteil der Teams wie gewohnt. Die Konkurrenz um den Titel ist dieses Jahr jedoch härter zu sein denn je. Grund dafür sind einige wenige Teams, die SKT das Wasser reichen können: FunPlus Phoenix (FPX) aus China und insbesondere G2 Esports (G2) aus Europa.


Die Lücke schließt sich

Nach der Niederlage Fnatics gegen Invictus Gaming im Finale 2018 ebbte die anfängliche EU-phoria, dass westliche Teams endlich mit den östlichen Teams Schritt halten könnten, schnell ab.
Bis zum Mai 2019.
Europäischer Starspieler Rasmus „Caps“ Winther wechselte nach der Niederlage im Finale gegen Invictus Gaming von Fnatic zum größten europäischen Konkurrenzteam G2 Esports.
G2 hat sich Anfang des Jahres umstrukturiert und stellt jetzt, zumindest was die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Spieler angeht, das stärkste Team, das Europa je gesehen und ins Rennen geschickt hat. Die Erfolge des Teams blieben 2019 nicht aus. G2 hat 2019 jedes Turnier gewonnen, an dem es teilgenommen hat. Unter anderem das zweitgrößte internationale Turnier nach der Weltmeisterschaft, die Mid-Season Invitational (MSI).
Die MSI ist während der Saison das erste jährliche internationale Aufeinandertreffen und Kräftemessen der verschiedenen Regionen und gilt als Generalprobe für die Worlds im Herbst.
Im Halbfinale kickt G2 Esports die aus dem Turnier raus, die so lange als unbezwingbar galten: SK Telecom T1. Parallel dazu wird Invictus Gaming, als noch amtierender Weltmeister, vom nordamerikanischen Team Liquid aus dem Turnier geworfen. Im Halbfinale müssen die beiden favorisierten östlichen Teams gehen und die beiden Favoriten des Westens ziehen ins Finale ein.
Und als ob das nicht schon genug Überraschung für ein Turnier gewesen wäre, stellt G2 Esports im Finale gegen Team Liquid einen neuen Weltrekord der League of Legends Geschichte auf. G2 liefert im Finale das schnellste Best-of-Five bei einem internationalen Turnier, das jemals stattgefunden hat.

Im MSI-Finale mussten Fans vom nordamerikanischen Team Liquid ganz stark sein: das europäische Top-Team G2 Esports zerpflückt den nordamerikanischen Favoriten regelrecht. G2 dominiert jede Partie des Finales und stellt einen neuen Weltrekord auf, für das schnellste internationale Best-of-Five allerzeiten. Der vorherige Weltrekord wurde in der Vorrunde der Weltmeisterschaft 2018 aufgestellt. Europa und Nordamerika sind im Spiel Erzrivalen seit es das Spielt gibt. Langsam aber sicher zeichnet sich nun ab, dass Europa im Konkurrenzkampf die Oberhand gewinnt.

Die EU-Phoria ist zurück

Zwar war die Euphorie letztes Jahr schon groß, als Fnatic ins Finale einzog, aber dieses Jahr ist sie riesig. Ist der Sieg von G2 bei der Weltmeisterschaft jetzt schon vorherzusehen? Absolut nicht.
Zwar stellt Europa einen der absoluten Favoriten für das Turnier und hat damit eine sehr realistische Chance, den Weltmeisterschaftstitel für sich zu beanspruchen. Allerdings hat G2 auch während der Gruppenphase auch gezeigt, dass sie mit ihrem unkonventionellen Spiel-Stil ins Straucheln kommen können.
G2 und SKT haben beide das Viertelfinale 3 zu 1 für sich entscheiden können und standen sich nun im Halbfinale am 3. November erneut gegenüber. SKT hat bisher ihren wie gewohnt sehr kontrollierten und konventionellen Spielstil gespielt und G2 spielte, als krasser Gegensatz dazu, enorm aggressiv, kreativ und immer für eine Überraschung offen.
Das beste Team aus Korea gegen das beste Team, dass Europa je ins Rennen geschickt hat. Sowohl koreanische, als auch europäische Fans haben gespannt auf das Halbfinale der Worlds 2019 gewartet. Das Re-Match zum Halbfinale der MSI.
Und ein weiteres Mal konnte G2 Esports den dreifachen Weltmeister SKT schlagen. Damit hat sich G2 in der Weltmeisterschaft bisher nicht nur gegen SKT durchgesetzt, sondern gegen alle drei koreanischen Teams die am Turnier teilgenommen haben. Der Trend, dass östliche und westliche Top-Teams mittlerweile auf Augenhöhe antreten setzt sich also bis jetzt fort. Ob westliche Teams nur mit Korea, oder mit allen östlichen Teams Schritt halten können zeigt sich diesen Samstag. Am 10. November um 13.00 Uhr steht G2 nun vor der letzten Hürde, bevor bewiesen ist, dass ein Jahrzehnt der asiatischen Vorherrschaft geendet hat. Im Finale spielt G2 Esports gegen Funplus Phoenix, das Nr. 1 Team aus China.
Oder um es mit den finalen Worten des Moderators Quickshot während des MSI-Halbfinales G2 vs. SKT zu formulieren: „The Gap be damned. Titans can fall, gods can bleed. Where were you when the West rose up to conquer champions?”.

Spieler Luka „Perkz“ Perković hat massiv zum Erfolg von G2 beigetragen. Perkz hat bis vor einem Jahr die Position „Midlane“ (mittlere Spur) gespielt. Und galt als der zweitbeste Europäische Midlaner nach Caps. Um Caps Anfang des Jahres ins Boot zu holen, machte er Platz für den besten europäischen Midlaner und wechselte auf die Postion „Botlane“. Perkz zeichnet es aus, dass er auf der Botlane auch Charaktere spielt, die eigentlich für die Midlane bestimmt sind. Diese kreativen und unkonventionellen Ansätze sind das, was den Erfolg von G2 Esports ausmacht.

Persönlich war ich zwar jedes Jahr aufs Neue extrem gespannt auf die Worlds, aber dieses Jahr bin ich mega „hyped“ wie man so schön im League-Jargon sagt. Beide Regionen die noch im Rennen sind haben eine realistische Chance auf den Titel. Mein klarer Favorit ist definitiv G2 Esports und ich bin enorm gespannt auf das Finale zwischen Funplus Phoenix und G2. Auf der einen Seite finde ich es ein wenig enttäuschend, dass Fnatic als zweitbestes europäisches Team im Viertelfinale ausgeschieden ist und es nicht ins Halbfinale geschafft hat. Auf der anderen Seite freue ich mich riesig, dass Europa mit G2 ein Team ins Rennen schickt, das nicht nur stark performt, sondern auch ein immens unterhaltendes Gameplay an den Tag legt. Auch wenn G2 während der Gruppenphase Schwächen gezeigt hat, bin ich sehr zuversichtlich, dass G2 nach SKT auch Funplus Phoenix besiegen kann. Während der beiden Halbfinale hat sich gezeigt, dass G2 nicht das einzige Team im Turnier ist, das ein sehr unkonventionelles Gameplay an den Tag legt. Auch Funplus Phoenix überrascht in Ihren Partien wieder und wieder. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass kein anderes Team beim Turnier so extrem aggressiv spielt und versucht das gegnerische Team in Kämpfe zu ziehen, wie Funplus Phoenix. Warum das in Kombination mit G2 sehr interessant im Finale wird? Während der Gruppenphase hat man bei G2 teilweise das Gefühl gehabt, dass die Spieler des Teams nicht wirklich seriös spielen und mehr versuchen Spaß zu haben als mit aller Kraft zu gewinnen. Nicht umsonst hat G2 hinsichtlich solcher Partien den Begriff „Happygames“ eingeführt. Die Rede ist also von Spielen bei denen die Spieler mehr versuchen zu unterhalten und gemeinsam als Team Spaß zu haben, als sich zu 101% auf den Sieg zu konzentrieren. Das war zwar nicht der Fall im Viertel- und Halbfinale, aber niemand kann vorhersehen was passieren wird, wenn das aggressivste Team des Turniers auf die Meister der „Happygames“ treffen. Meiner Meinung nach ist G2 nichtsdestotrotz das stärkste Best-of-Five Team des Turniers. Das Finale der Worlds werde ich mit Freunden zusammen beim Public Viewing in der UCI-Kinowelt in Dresden schauen. Die Tickets 18.500 Tickets für das Finale in Paris waren leider, wie üblich, sehr schnell ausverkauft. Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen einmal Live beim Finale dabei zu sein, um den Worlds-Wahnsinn hautnah miterleben zu können.
#G2Grandslam #G2Army #G2Phoria #Worlds2019

eSports Redakteur Benjamin

Dresden zockt

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