Blockchain und Nachhaltigkeit – passt das überhaupt zusammen? Als Klimakiller und Stromfresser kommt die Technologie im aktuellen Diskurs oft schlecht weg, vor allem wenn es um die Kryptowährung Bitcoin geht. Wieso die Blockchain-Technologie trotzdem weiterhin auf dem Siegeszug ist und wie sie die digitale Transformation in der Wirtschaft sowie die digitale Teilhabe in der Gesellschaft auch nachhaltig voranbringen kann, darum geht es in dieser Podcast-Folge.

Im Gespräch mit Alexander Ebeling und Maximilian Beyer

Für Alexander Ebeling, Co-Founder vom Blockchain Solutions Center der T-Systems MMS und Maximilian Beyer, Product Owner im Bereich Staking, ist Blockchain das tägliche Brot. Welche Chancen und Risiken mit der Technologie für Wirtschaft und Gesellschaft verbunden sind, ordnen die beiden Experten für uns anschaulich ein.

Ist „die Blockchain“ ein Klimakiller?

Abzustreiten ist die steile These, dass die Blockchain ein unnötiger Stromfresser sei, besonders jetzt in Zeiten von hohen Energiepreisen, erst einmal nicht. Eine Blockchain ist eine verteilte Datenbank auf der, von unterschiedlichen Parteien, Datensätze in Form von Knoten gespeichert werden. Die Arbeit über dezentrale Rechenzentren kostet enorme Energie, weshalb die tatsächliche Produktivität des Stromverbrauchs beim Einsatz der Technologie entsprechend eingerechnet werden muss.  

Aber Blockchain ist nicht gleich Blockchain. Vielmehr sprechen wir über die Technologie in der Mehrzahl als „Blockchains“, denn ihr liegen verschiedene Konsensmechanismen, Währungen und Use Cases zu Grunde.

Die Kryptowährung Bitcoin bezieht sich auf den Konsensmechanismus von Proof of Work. Sie ist damit ein Beispiel für diejenigen Protokolle, die sich stark auf den Token, also Besitz- oder Vermögenswerte an Knoten auf der Blockchain fokussieren. Aufgrund der gut ausgeprägten Dezentralität der verteilten Rechner (Miner) gilt die Verifikation der Transaktionsdaten als sehr sicher. Das sogenannte Mining ist dennoch extrem energieaufwändig in Bezug auf die benötigte Rechenleistung, weshalb auch aktuell in der EU das Verbot von Krypto-Mining verhandelt wird und entsprechende Regularien ausgearbeitet werden.    

Wie hoch der Stromverbrauch von Bitcoin tatsächlich ist, lässt sich dennoch nicht sicher benennen. Entsprechende Maßnahmen können die Effizienz begünstigen, wenn bspw. Rechenzentren in natürlich kalten Umgebungen angesiedelt sind, z.B. Island und Norwegen, oder dort, wo mehr grüner Strom produziert wird. Natürlich sind Rechenzentren auch oftmals dort angesiedelt, wo Energie bzw. Strom verhältnismäßig günstig sind. Welche Energiequelle dabei genutzt wird, ist oftmals schwer zu identifizieren, da Transparenz und verlässliche Informationen fehlen.

Dem Proof of Work-Ansatz entgegen steht der effizientere Ansatz Proof of Stake. Dieser ist um 99,9% energiesparsamer und zudem wesentlich schneller, da der Konsens nur über einzelne Validatoren im Netzwerk erfolgt und somit weniger Computer in dem Vorgang involviert sind. Die zweitgrößte Blockchain der Welt „Ethereum“ wurde erst auf diesen Konsensmechanismus umgestellt. Auch wenn dieser Ansatz für die Technologie wie Bitcoin übernommen werden könnte, wird das von der Community eher nicht gewünscht. Ganz nach dem Gedanken „never change a running system“, werden nur nötigste Upgrades, z.B. Sicherheitsfeatures über sogenannte Forks durchgeführt werden. Auch die Telekom arbeitet im Staking-Bereich mit und ist dort bereits seit 2020 präsent. Unser Blockchain Solutions Center stellt etwa Infrastruktur für Web3-Technologien bereit und betreibt Validatorknoten bspw. für Celo, Flow, Polkadot, Q oder Ethereum.

„Für diese Public-Blockchain-Netzwerke stellen wir Infrastruktur bereit und sind dann in diesen Netzwerken Teilnehmer von vielen verschiedenen Parteien, die dezentral auf der ganzen Welt verteilt sind. Wir bestätigen hierauf Transaktionen und stellen somit auch die Funktionsfähigkeit des Blockchain-Netzwerks sicher.“

– Maximilian Beyer, Product Owner im Bereich Staking | T-Systems MMS

Wird das Web3 das Internet demokratisieren?

Mit der Blockchain-Technologie besteht die Hoffnung aufgrund der dezentralen Struktur zur Demokratisierung und digitalen Teilhabe beizutragen. Im „Internet der Werte“ dient die Technologie der Aufbewahrung und Transaktion von jeglichen Gütern. Unser Alltag und unsere Handlungsabläufe werden immer stärker digitalisiert. Zentrale Werte, die aktuell in der analogen Welt existieren, werden in die digitale Welt transferiert. Öffentliche dezentrale Blockchain-Netzwerke sind zukünftig Basis für diese Wertetransfers. Doch da die Validatoren anhand ihrer Anteile (Token) am Netzwerk ausgewählt und entlohnt werden, bestehen hier die Risiken für Manipulation und Monopolisierung zum Nachteil der Dezentralität. Deswegen gibt es inzwischen schon Weiterentwicklungen des Konsensmechanismus hin zu Delegated Proof of Stake oder Proof of Authority. Dezentrale Autonome Organisationen (DAOs) sind ein weiteres Mittel, um die entsprechenden Governance-Modelle in den Netzwerken demokratischer und sicherer ausgestalten zu können.

Gekommen um zu bleiben?

Die noch junge Technologie ist besonders bekannt aufgrund der Spekulationen am Krypto-Markt sowie dem Hype um NFTs, es gibt jedoch auch andere Anwendungsszenarien wofür Blockchain-Protokolle geschaffen werden.

Einen wirklichen Mehrwert kann die Blockchain-Technologie für transparente Lieferketten bieten. Denn mit dieser Anwendung kann nicht nur aufgeschlüsselt werden, wo das Produkt herkommt, sondern auch wie das Produkt bis zum Endverbraucher gelangt bspw. im Hinblick auf den Energieverbrauch. Inzwischen können auch die verwendeten Energiequellen, wie z.B. Windkraft, in der Blockchain protokolliert werden. Verbraucher können diese Information aufrufen und dann bspw. über die Verwendung von grünem Strom einen Nachweis in Form eines digitalen Zertifikats erhalten (Proof of Green).

Aber wie auch in der analogen Welt ist dies Vertrauenssache. Gefahr hierbei ist die Fälschung der Zertifikate, da die eingegebenen Daten in die Blockchain nicht nachträglich auf ihre Richtigkeit kontrolliert werden können. Das an sich ist aber auch keine Aufgabe der Blockchain.

„Was physisch aufgenommen wurde muss in die digitale Welt und dann auch in die Blockchain-Welt übertragen werden. Dort sind überall Übergabepunkte, die die Blockchain nicht absichern kann. Und es bringt nichts, wenn man ein Projekt umsetzen möchte mit Blockchain, aber dann die Schnittstelle zur Außenwelt nicht absichert. Beispiel dafür wäre eine Lieferkette, die noch nicht ganz digitalisiert ist und ein Lieferant falsche Werte in die Blockchain eingibt. Wer kontrolliert das? Das kann keiner kontrollieren. Das wäre auch ein Kritikpunkt an der Blockchain: „Bullshit in, Bullshit out“ – Ja, stimmt. Es ist aber auch nicht Aufgabe der Blockchain-Technologie dafür sicher zu sein. Dafür ist sie nicht da.“

– Alexander Ebeling, Co-Founder vom Blockchain Solutions Center | T-Systems MMS

Wichtig ist in diesem Zusammenhang von Anfang an in der Wertschöpfung eine vertrauensvolle und transparente Zertifizierung zu schaffen, die wie bei Auditierungen unabhängig und standardisiert erfolgt.

Blockchains können vor allem in drei Bereichen eingesetzt werden:

  1. Zum einen unternehmensübergreifend, damit mehrere Parteien in einem System miteinander agieren können. Blockchain-basierte Plattformen können dazu dienen dezentrale Daten zu strukturieren, zu aggregieren und jederzeit sicher, Compliance- und Governance-konform zu verarbeiten.
  2. Dann zum Reputationsmanagement, um die Informationsqualität sicherzustellen. Beispielsweise für zentrale Bewertungssysteme wie Google Business, Booking.com oder in Social Media, etwa zur Verifizierung von Fake Accounts und Fake News.
  3. Und Blockchains können außerdem zur Intermediation – also als Mittelsmann – eingesetzt werden, um bestimmte Prozesse bzw. Abläufe zu erfüllen. Zum Beispiel bei Verträgen, Identitäts- oder Eigentumsnachweisen sowie Lizenzen.

Blockchains bieten in diesem Sinne also verschiedene Chancen, werden jedoch nicht die Lösung für alles sein. Wichtig ist das Entgegenbringen von Vertrauen in diese Technologie sowie das Wissen, dass der Markt viele Ströme bewegt und es somit zukünftig auch Regulierungen von der Politik geben kann.

Noch mehr (kritische) Denkanstöße und Zukunftsprognosen zur Blockchain-Technologie erfahren Sie im Podcast!

Moderiert wird diese Folge von Steffen Wenzel, Mitgründer und Geschäftsführer von politik-digital, und Lisa Fiedler, die den Bereich Sustainability & Corporate Citizenship bei T-Systems MMS verantwortet.


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