„Die Digitalisierung hat die Medizin erreicht. Sie könnte das heutige Gesundheitssystem grundlegend verändern, so dass jede Patientin und jeder Patient von besseren Diagnosen und individuelleren Behandlungen profitiert.“

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Der Ist-Zustand im Gesundheitswesen zeigt allerdings, dass die Digitalisierung bislang nur einzelne Bereiche der Medizin erreicht hat. So setzen einige Arztpraxen bereits Systeme zur Online-Terminvergabe ein und in der onkologischen Therapie beispielsweise unterstützt KI die onkologische Bildgebung. Solche „Leuchtturmprojekte“ bilden allerdings nicht das gesamte Gesundheitssystem ab. Noch immer sind Anamnese-Bögen und Datenschutzerklärungen in Papierform die Regel, Ärzte pflegen dicke Papierakten und die Kommunikation mit den Behörden erfolgt sogar noch via Fax.

Gerade aus diesem Grund ist der Wille eHealth zu etablieren, also das Gesundheitssystem zu digitalisieren, sehr groß. Mithilfe der Digitalisierung können die Versorgungsprozesse deutlich optimiert werden und eine patientenzentrierte (statt arztzentrierte) Versorgung wird möglich. Die Basis, um digitale Lösungen anbieten zu können, ist dabei immer die Vernetzung.

Was ist eHealth?

Telemedizin, Asset Tracking & Tracing, Digitale Nachsorge, Hygienemanagement und Digitale Pflege – eHealth ist ein komplexes Konzept, das die Digitalisierung in verschiedenen Bereichen des Gesundheitssektors beschreibt. Im Fokus stehen dabei sowohl die Verbesserung der Patientenversorgung als auch die Erleichterung der Arbeitsabläufe für Ärzte, Pfleger und alle anderen Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Verbesserungen in der Medizin – Das ist auch das Anliegen, mit dem das digitale Versorgungsgesetz kürzlich verabschiedet wurde. Dank diesem sind digitale Gesundheitsanwendungen nun auch für die ambulante Versorgung möglich und digitale Services werden abrechenbar. Die Weichen für eine gesunde Zukunft mit eHealth-Unterstützung sind gestellt!

eHealth unterstützt:

  • Behandlungs- und Betreuungsprozesse
  • den Austausch und die Verarbeitung medizinischer Daten
  • das Hygienemanagement
  • die Verwaltung
  • die IT-Security

Herausforderungen der Digitalisierung im Gesundheitsmanagement

Herausforderungen der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt

Wie sieht unser Gesundheitssystem in Deutschland aus? Wir haben rund 1.900 Krankenhäuser, die einem hohen Kostendruck ausgesetzt sind und zugleich unter Fachkräftemangel leiden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie neue Geschäftsmodelle etablieren und dabei viele Herausforderungen meistern. eHealth bezieht sich neben der Digitalisierung in Krankenhäusern, auch auf Arztpraxen, medizinische Versorgungszentren sowie die ambulante und stationäre Pflege.

Herausforderungen im eHealth:

  • Komplexe Prozesse: viele Stakeholder, Systeme, Abrechnungsprozesse
  • Vielfältige Systemlandschaft: viele herstellergebundene Systeme, die nicht miteinander kompatibel sind
  • Isolierte Systeme: Krankenhausinformationssysteme, PVS-Systeme, Kernsysteme der Krankenkassen usw.
  • Keine Schnittstellen/offenen Standards zwischen den Systemen für eine übergreifende Telematikinfrastruktur
  • Systembrüche beim Übergang der Versorgungsprozesse vom ambulanten zum stationären Bereich
  • Zahlreiche Papierdokumentationen: Anamnese-Bogen, Datenschutzerklärung, Entlassungs-Brief, etc.

Welche Vorteile bieten digitale Prozesse im Gesundheitswesen?

  • Verbesserte Gesundheitsversorgung
  • Wettbewerbsfähigkeit in der Gesundheitswirtschaft
  • Kostenreduzierung (Gesundheitsökonomie)
  • Vereinfachung komplexer Prozesse
  • Vernetzung von Stakeholdern, Systemen und Prozessen
  • Optimierung von Versorgungs- und Betreuungsprozessen
  • Schnelle und optimierte Kommunikation
  • im Hinblick auf Datenschutz, Informationssicherheit und Infrastruktur

Die Digitalisierung wirkt sich positiv auf die Zufriedenheit der Patienten aus, denn sie profitieren von effizienteren Prozessen, einer kontinuierlichen Betreuung und transparenten Informationen, die ihnen selbst zugänglich sind. Auch die Zufriedenheit der Ärzte, Pfleger und anderer medizinischer Mitarbeiter steigt im Zuge von eHealth. Arbeitsprozesse werden optimiert, die Vernetzung untereinander deutlich verbessert und neue Behandlungen werden ermöglicht. Dank dieser Verbesserungen gestaltet sich auch die Gewinnung medizinischer Fachkräfte deutlich leichter.

Ziel: Patientenzentrierte Versorgung in der Gesundheitswirtschaft

Die Gesundheitswirtschaft besteht aus verschiedenen Stakeholdern: aus Krankenhäusern, Arztpraxen und medizinischen Versorgungszentren sowie der ambulanten und stationären Pflege außerhalb der Kliniken. Um digitale Lösungen für Patienten sinnreich anbieten zu können, müssen sich die Stakeholder untereinander vernetzen. Hierfür braucht es Systeme, die miteinander über Schnittstellen und offene Standards interagieren können.

Auch in den Einrichtungen selbst sind die einzelnen Bereiche zum Teil kaum vernetzt. Werfen wir beispielsweise einen Blick auf die Abteilungen eines Krankenhauses und schauen wir, wie Digitalisierung die Prozesse optimieren kann.

Patientenzentrierte Versorgung in der Gesundheitswirtschaft

Wie profitieren Patienten von einer Digitalisierung im Krankenhaus?

Die Patientin Jessika Hübner leidet an einem Tumor und erhält von ihrem Arzt eine Krankenhauseinweisung für eine Krebsoperation. Telefonisch wird mit ihr ein Termin abgesprochen. Zukünftig kann hier ein optimiertes Terminmanagement unterstützen, bei dem die Terminplanung mithilfe einer digitalen Lösung erfolgt.

Aufnahme im Krankenhaus

Wie sieht die Aufnahme im Krankenhaus aus? Frau Hübner muss eine lange Wartezeit einplanen und erhält einige Formulare, die sie händisch ausfüllen soll. Hier wäre im Zuge der Digitalisierung ein vereinfachtes Aufnahmeassessment denkbar, bei dem beispielsweise die Datenschutzerklärung in Papierform von digitalen Services abgelöst wird. So würde ein Ausfüllen im Vorfeld ermöglicht.

Eine zentrale Rolle im eHealth spielt die ePatienten-Akte, die den Versorgungsprozess während des Aufenthalts lückenlos dokumentiert.

Pflege im Krankenhaus

Frau Hübners Operation wird in zwei Tagen stattfinden. Sie kommt nun auf Station, wo ihr ein Zimmer zugewiesen wird, für das zunächst nachgeschaut wird, welches Bett frei ist. In Zukunft könnte für diese Zuordnung auf Grundlage von Tracking und Tracing ein digitales Bettenmanagement zum Einsatz kommen, das freie Betten digital planbar und überwachbar machen würde.

Frau Hübner wird sich vor ihrer OP noch verschiedenen Untersuchungen unterziehen, die ebenfalls durch Tracking und Tracing geplant werden könnten. Mit entsprechenden digitalen Services behielte jeder Krankenhaus-Mitarbeiter den Überblick: Wo befindet sich Frau Hübner aktuell im Krankenhaus? Welche Behandlungen oder Untersuchungen hat sie bereits durchlaufen und welche stehen noch aus?

Wie könnte der Aufenthalt auf Station angenehmer gestaltet werden? Auch solche Themen können dank der Digitalisierung neugestaltet werden. Denkbar wäre ein „Hospitality Entertain“ für Patienten, also  ein spezielles Entertainment-Programm im Krankenhaus, damit keine Langeweile aufkommt und die Patienten gut unterhalten und informiert zur Gesundheit kommen können. Das Programm könnte zum Beispiel die Nutzung von Streaming-Diensten oder nicht-medizinischen Service-Angeboten ermöglichen.

Nachstationäre Versorgung

Ist Frau Hübners Operation erfolgt und sie wieder soweit genesen, dass Sie aus dem Krankenhaus entlassen werden kann, folgt eine der größten Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung. Zwischen stationärem und ambulantem Bereich kommt es zu Systembrüchen. Das beginnt damit, dass Frau Hübner mit einem Brief in Papierform und einer CD entlassen wird. Ein digitales Entlassungsmanagement wäre hier der erste Schritt, um Systembrüche abzuschwächen und die Daten beispielsweise direkt auch an nicht-ärztliche Leistungserbringer übermitteln zu können.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, fühlt sich die Frau Hübner „verloren“. Wer beantwortet nun ihre Fragen? Wer überwacht die weitere Genesung? Eine Unterstützung für eine bessere Patientennachsorge könnte eine mobile App sein, mit der Patienten Termine über ein Terminmanagement auch mit nicht-ärztliche Leistungserbringern vereinbaren können und in der sie wichtige Informationen bereit gestellt bekämen, z.B. Informationen dazu, wie ein Katheter verlegt wird oder in welchen Intervallen die nächsten Nachsorgeuntersuchungen anstehen.

Nehmen wir an, Frau Hübner wäre bezüglich ihrer Wundversorgung stark verunsichert, so könnte sie diese in der App dokumentieren, in dem sie die Wunde selbst fotografiert. Das Foto würde an einen Arzt weitergeleitet, der die Wunde anhand des Bildes einschätzt. Der Arzt könnte Frau Hübner anschließend direkt Feedback geben, ob alles in Ordnung ist oder ob Frau Hübner bei einem Arzt vorstellig werden sollte.

Grundsätzlich wird in den nächsten Jahren auch die Telemedizin weiter an Bedeutung gewinnen. Beispielsweise Pflegeheime profitieren davon, wenn Patienten auf digitalem Wege mit Ärzten kommunizieren können.

Wie kann Digitalisierung Ärzte und Pfleger unterstützen?

Wie kann Digitalisierung Ärzte und Pfleger unterstützen?

Im Krankenhaus liest sich die behandelnde Ärztin in Frau Hübners Fall ein, in dem sie verschiedene Dokumente in Papierform sichtet. Besser wäre die Nutzung einer Healthcare-Cloud, in der alle Informationen wie Blutdruck oder Laborwerte gesammelt werden. Neue Informationen könnten direkt ergänzt und für jeden zugänglich gemacht werden, der in die Behandlung einbezogen ist. Sprach-Bots ähnlich wie Alexa könnten die Pflegedokumentation erleichtern.

Aktuell kommunizieren medizinische Mitarbeiter im Krankenhaus viel über WhatsApp, um sich auszutauschen. Besser wäre die Nutzung einer Mitarbeiter-App für die interne Kommunikation, da diese den Datenschutz und die IT-Sicherheit gewährleisten kann.

Eine weitere Erleichterung für die Arbeit im Krankenhaus-Alltag ist ein Mobile Identity Access, also ein digitales Schlüsselmanagement, das manuelle Schlüssel ersetzt und stattdessen mit Zugriffsrechten arbeitet, die je nach Bedarf vergeben und wieder entzogen werden können. Auch im Bereich des Hygienemanagement bietet die Digitalisierung gute Ansätze. Eine automatische Dokumentation, die IoT basiert abläuft, kann bei der Einhaltung der Hygienebestimmungen unterstützen.

Hinzu kommt, dass Ärzte und medizinische Mitarbeiter – und damit immer auch die Patienten – im Zuge der Digitalisierung von AR/VR-Schulungen profitieren, mit denen Operationen simuliert werden können oder ein Training der Behandlungsmöglichkeiten im Rettungsdienst ermöglicht wird.

Künstliche Intelligenz in der Labordiagnostik

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz wird beispielsweise die onkologische Therapie unterstützen können im Bereich von Standardpräparaten. Auch bei der Erkennung seltener Krankheiten bringt KI große Potentiale mit.

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Wie wird eHealth in Kliniken und medizinischen Versorgungszentren eingeführt?

Komplexe Prozesse, viele Stakeholder, Systeme, Abrechnungsprozesse – am Anfang steht die Beratung, um Lösungen für die großen Herausforderungen im Gesundheitssystem zu finden. Wichtig: Der ausgewählte Berater sollte die Prozesse und Eigenheiten des Gesundheitswesens gut kennen.

Die Einführung von eHealth kann mit dem Lean Workplace-Methode erfolgen, die aus vier Phasen besteht.

  1. Scoping Phase: Ermittlung und Festlegung der Anforderungen, die an die Technologien gestellt werden. Ausgangslage ist eine Stakeholder- und eine Ist-Analyse.
  2. Discovery Phase: Ein Pilotprojekt wird durchgeführt, bei dem Mitarbeiter aktiv mitwirken und im Anschluss Feedback geben.
  3. Design Phase: Das Pilotprojekt wird in ein produktives System skaliert. Zudem werden Enabling- und Kommunikationsmaßnahmen sowie Rolloutmaßnahmen erarbeitet.
  4. Learning & Growth Phase: Die neuen Strukturen und Tools werden in der Praxis eingesetzt und als fortlaufender Prozess stetig weiterentwickelt.

Fazit: Erkennen und nutzen Sie die Chancen von eHealth

Im Zuge von eHealth wird die telemedizinische Betreuung ein fester Bestandteil des medizinischen Alltags sein und das Zuschalten von Ärzten zu einer gängigen Praxis etablieren. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens sichert die Wettbewerbsfähigkeit auf der einen Seite und die Zufriedenheit von Patienten, Ärzten, Pflegern sowie weiterem medizinischen Personal auf der anderen Seite.

Für die Einführung von eHealth braucht es eine strategische Planung, bei der alle Stakeholder einbezogen werden. Eine Transformation des Gesundheitswesens kann nur gemeinsam gelingen, damit alle Beteiligten eHealth konsequent leben werden.


Im Rahmen eines gemeinsamen eHealth Projektes treibt die Stadt Dresden die Krebsnachsorge voran
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