Was bedeutet es, immer und überall vernetzt zu sein? Was machen die wichtigsten technologischen Innovationen der vergangenen 25 Jahre – das Internet, Mobilfunk, Soziale Netzwerke und das Internet der Dinge – mit uns und der Gesellschaft? Und vor allem: wo liegen dabei die Chancen für das weitere Wachstum unseres Unternehmens?

 

Um all diese Themen ging es bei einer der wichtigsten Tech-Konferenzen dieses Jahres, der „Hyperconnected“, die vom 11. bis 13. April 2017 in Boston stattfand. Als Leiter der Innovationsabteilung bei T-Systems Multimedia Solutions konnte ich live am Massachusetts Institute of Technology (MIT) dabei sein. Und das waren meine persönlichen Highlights der Konferenz:

    1. Der Vortrag von Giovanni Luca Ciampaglia über die Face-News-Filterplattform „Hoaxy“:

      Giovanni Luca Ciampaglia, Professor an der Universität Indiana, setzte sich mit Fake-News auf Facebook und anderen sozialen Plattformen auseinander. Sie erzielen heute eine größere Reichweite als verifizierte Nachrichten. Aktuelle Studien zeigen, dass die viel zitierten Filterblasen – das personalisierte Filtern von Informationen – dabei vor allem durch das “Unfriending” und weniger durch die Filteralgorithmen der Plattformbetreiber zustande kommen.Die Suchmaschine Hoaxy – entwickelt an der Indiana University – versucht, solche Fake-News schneller zu identifizieren. Sie vergleicht dabei Seiten, die häufig Fake-News verbreiten, und solche für Fact Checking. Eine überraschende Erkenntnis des Projektes ist: Häufig sind es die Kritiker von Fake-News selbst, die Falschmeldungen in den Netzwerken in den Umlauf bringen. Das heißt konkret: Diejenigen, die eine Falschmeldung enttarnen und sie dann mit wütenden Kommentaren versehen posten, sind am Ende diejenigen, die Falschmeldungen verbreiten.Eine weitere relevante Funktion der Suchmaschine Hoaxy ist die Unterscheidung anhand eines Machine-Learning-Algorithmus, ob eine Meldung von einem Bot kommt oder nicht.

    2. Der Vortrag von Martin Reeves zum Thema „Unternehmensstrategie“:

      Martin Reeves, Senior Partner & Managing Director bei der Boston Consulting Group, zeigte auf, dass das traditionelle Verständnis von Strategie in der heutigen Zeit des schnellen technologischen Wandels nicht mehr ausreicht. Nach seiner Darstellung gibt es fünf Prinzipien, die für ein nachhaltiges Unternehmenswachstum sorgen:

      • Strategie ist nicht Planung. Typische Ansätze wie Analyze-Plan-Execute müssten stattdessen immer an die aktuelle Marktsituation angepasst werden.
      • Um das zu erreichen, braucht es außergewöhnliche strategische Fähigkeiten.
      • Es geht nicht nur darum, besser als der Wettbewerb zu sein, sondern auch darum, wie lange dieser Vorteil anhält.
      • Eine Kernkompetenz dafür ist Resilienz, also Widerstandsfähigkeit gegenüber wechselnden Marktsituationen. Martin empfiehlt, dafür biologische Prinzipien zum Vorbild zu nehmen.
      • Das bedeutet für die Unternehmenskultur, biologisches Denken zu kultivieren.
    3. Diskussionen rund um das Thema „Co-Robots“:

      Co-Robots sind Roboter, die mit uns Menschen physisch interagieren. C. Karen Lui, Associate Professor am Georgia Institute of Technology, gab dazu ein anschauliches Beispiel: Ein Roboter, der bewegungseingeschränkten Menschen beim Anziehen helfen kann. Eine für uns so simple Aufgabe wie das Überstreifen einer Jacke ist für Roboter unglaublich schwierig und über das reine Kopieren menschlicher Bewegungen nicht zu realisieren. Es braucht dazu haptisches Feedback und Erfahrungswissen, um das Materialverhalten und um die richtige Zugkraft. Deep-Learning-Algorithmen erlauben heute, das einigermaßen gut zu simulieren. Eine wichtige Information aber fehlt nach wie vor: Das Gefühl der Menschen, denen der Roboter hilft, und deren natürliche Reaktion. Haptics Estimation ist demnach eines der aktuellen Forschungsthemen an Co-Robots.

    4. Verschwörungstheorien:

      David Robert Grimes von den Gray-Laboratories an der Universität Oxford lieferte eine schlüssige Erklärung, wie sich Verschwörungstheorien entwickeln und verbreiten, wie Filterblasen entstehen, wie sie durch die modernen sozialen Netze verstärkt werden und welche dramatischen Auswirkungen das auf uns hat.Grimes argumentiert, dass eines der großen Gefahrenpotentiale der heutigen Hyperkonnektivität sei, dass sich jeder aussuchen könne, woran er glauben möchte. Verschwörungstheorien, z.B. dass die Mondlandung gefakt war, der Klimawandel nicht existiere oder Impfungen gefährlich seien, existieren zwar schon lange und auch die Bereitschaft, offensichtlichen Unsinn zu glauben. Soziale Medien verstärken das Problem aber heute massiv, weil sie zur schnellen Verbreitung von Fake-News beitragen, sie in Filterblasen verstärken und sich einer kritischen Überprüfung entziehen. Als wirksames Gegenmittel empfiehlt Grimes, gerade in sozialen Medien aktiv und frühzeitig gegen Falschmeldungen vorzugehen.

    5. Der Vortrag von Nicole Immorlica zur Belohnung menschlicher Arbeit im digitalen Zeitalter:

      Nicole Immorlica, Senior Researcher bei Microsoft, ging der Frage nach, wie menschliche Arbeit heutzutage belohnt werden sollte. Soziale Belohnungssysteme wie Badges, Bestenlisten etc. haben einen erstaunlichen hohen Einfluss auf die Motivation, ersetzen aber nicht den finanziellen Arbeitslohn. Mit dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz wird die Frage noch einmal verschärft, da immer mehr manuelle Arbeiten der Produzenten von Algorithmen übernommen werden. Nicole plädiert deshalb dafür, dass künftig Badges und Bestenlisten wieder durch “normale” Bezahlung mit Geld abgelöst werden sollten: “Man kann nicht alle Nutzer berühmt machen. Aber man kann allen 100 Dollar zahlen!”.

 

 


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